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Deine Pflanze hat Geduld bis 15 Uhr

Christoph Görn·

Die fünf Welke-Stufen des feeldata-Gartens

Du öffnest feeldata um 10 Uhr morgens. Du hast noch nichts geloggt. Keine einzige Gewohnheit erledigt.

Und deine Pflanze? Sie atmet. Ruhig, in sattem Teal, wartet sie auf dich. Kein Vorwurf, kein Countdown, kein roter Alarm.

Denn bis 15 Uhr hat dein Garten Geduld.

Kurz gesagt: Das neue 5-Stufen-System ersetzt die alte Gut-oder-Schlecht-Logik durch fünf empathische Zustände. Deine Pflanze reagiert auf Beständigkeit, nicht auf Menge. Eine einzige Gewohnheit, 30 Tage durchgehalten, lässt sie üppiger gedeihen als fünf Gewohnheiten, die du sporadisch abhakst.

Fünf Stufen statt Gut oder Schlecht

Bisher kannte der Garten nur zwei Zustände: alles erledigt oder nicht. Diese binäre Logik erzeugte genau die Angst, die wir abschaffen wollten. Forschung zeigt, dass bestrafende Streak-Mechaniken Nutzer dazu bringen, Apps ganz aufzugeben, anstatt nach einer Pause weiterzumachen.

Das neue System arbeitet mit fünf Stufen, die sich wie eine Wettervorhersage für deine Gewohnheiten anfühlen:

Thriving. Alle heutigen Gewohnheiten erledigt. Deine Pflanze steht aufrecht in kräftigem Teal. Du brauchst nichts weiter zu tun.

Anticipating. Der Garten wartet geduldig. Die Pflanze zeigt eine sanfte Atembewegung, lebendig und bereit. Das ist der Zustand morgens, bevor du angefangen hast, und er bleibt bis 15 Uhr bestehen.

Thirsty. Ein leiser Hinweis. Nach 15 Uhr, wenn du Gewohnheiten mit aktiven Streaks noch nicht erledigt hast, neigt sich die Pflanze um vier Grad. Die Farbe wechselt zu Amber. Kein Alarm, nur eine sanfte Erinnerung.

Wilting. Gestern wurde verpasst. Die Pflanze wird grau und neigt sich stärker. Aber die Nachricht bleibt einladend: „Deine Pflanze braucht Pflege; sie erholt sich, wenn du zurückkehrst."

Parched. Mehrere Tage verpasst. Dieser Zustand kommt in einer zukünftigen Version und zeigt eine noch stärkere Neigung mit langsamem Puls. Auch hier gilt: Deine Pflanze ist nie tot.

Dein Morgen gehört dir

Die wichtigste Designentscheidung fällt kaum auf: der Garten gibt dir Raum für einen langsamen Start in den Tag.

Vor 15 Uhr zeigt deine Pflanze „Anticipating", unabhängig davon, ob du schon etwas erledigt hast. Erst danach wechselt sie zu „Thirsty", und auch nur dann, wenn du aktive Streaks hast, die gefährdet sind.

Warum 15 Uhr? Die meisten Menschen haben bis zum frühen Nachmittag ihre täglichen Routinen abgeschlossen. Ein früherer Zeitpunkt würde unnötig Druck aufbauen. Ein späterer wäre zu nachsichtig, um als Erinnerung zu dienen.

Diese Entscheidung basiert auf einem einfachen Prinzip: Wenn du keinen aktiven Streak hast, gibt es nichts zu schützen, und nichts, worüber die Pflanze nervös werden müsste. Sie bleibt gelassen.

Weniger Gewohnheiten, mehr Beständigkeit

Das visuelle Design spiegelt etwas Tieferes wider.

Phillippa Lally und ihr Team an der University College London fanden 2010 heraus, dass eine neue Gewohnheit im Schnitt 66 Tage braucht, um automatisch zu werden. Die Spanne reicht von 18 bis 254 Tagen, je nach Komplexität (Lally et al., 2010). Eine aktuelle Metaanalyse von Singh et al. (2024), die 20 Studien mit 2.601 Teilnehmern auswertete, bestätigt diese erhebliche Variabilität.

Was bedeutet das für deinen Garten?

Ein Streak zählt mehr als die Anzahl der Gewohnheiten. Eine einzige Gewohnheit, 30 Tage lang durchgehalten, bringt deine Pflanze vom Samen zum üppig blühenden Zustand, Korallenblüten und alles. Fünf Gewohnheiten, die du an verschiedenen Tagen vergisst, lassen dich dauerhaft zwischen „Thirsty" und „Wilting" pendeln.

BJ Fogg, der Leiter des Behavior Design Lab an Stanford, nennt diesen Ansatz „Start Tiny": Wähle ein Verhalten, mache es winzig klein, finde den natürlichen Platz in deinem Tag und lass es wachsen (Fogg, 2020). Motivation schwankt. Fähigkeit, also wie einfach etwas ist, bleibt.

Fang mit einer Gewohnheit an. Der schnellste Weg zu einem blühenden Garten ist eine Gewohnheit, die du tatsächlich jeden Tag machst. Füge erst eine zweite hinzu, wenn die erste automatisch geworden ist.

Duolingo hat eine ähnliche Erkenntnis umgesetzt. 2023 entkoppelten sie die Streak-Mechanik vom Tagesziel, sodass eine einzige Lektion reichte, um den Streak zu verlängern. Die Zahl der Lernenden mit Streaks von 7+ Tagen stieg um über 40 Prozent (Duolingo, 2024). Weniger Bestrafung, mehr Beständigkeit.

Deine Pflanze wächst mit dir

Der Garten hat fünf Wachstumsstufen, die sich mit deiner Beständigkeit entwickeln:

  • Samen. Tag 0. Der Anfang.
  • Sprössling. Ab Tag 3. Erste Blätter erscheinen.
  • Wachsend. Ab Tag 7. Der Stiel wird höher, mehr Blätter.
  • Blühend. Ab Tag 14. Die erste Korallenblüte öffnet sich.
  • Üppig. Ab Tag 30. Volle Blüte, dichtes Blattwerk, mehrere Blüten.

Eine wichtige Regel: Deine Pflanze wird nie zum Samen zurückgesetzt. Wenn du den Zustand „Üppig" erreicht hast und eine Woche pausierst, kehrst du zu „Üppig (Welkend)" zurück, nicht zum Anfang. Dein Fortschritt bleibt erhalten.

Und die Erholung ist schnell. Ein einziger Check-in nach einer Pause löst eine Willkommen-zurück-Animation aus. Danach bist du direkt wieder bei „Thriving".

Lallys Forschung zeigt: Ein einzelner verpasster Tag hat keinen messbaren Einfluss auf die Gewohnheitsbildung. Dein Garten spiegelt genau das wider.

Meilensteine auf dem Weg

Während dein Streak wächst, erreichst du Meilensteine, die deinen Fortschritt markieren:

  • 7 Tage: Erste Woche geschafft
  • 21 Tage: Gewohnheit gebildet
  • 30 Tage: Einen Monat durchgehalten
  • 66 Tage: Automatisch (der Median aus Lallys Studie)
  • 100 Tage: Century Club
  • 365 Tage: Ein ganzes Jahr

Denk an sie als Wegmarken, nicht als Ziellinien. Sie zeigen dir, wie weit du schon gekommen bist.

Was du heute tun kannst

Öffne feeldata. Wähle eine Gewohnheit. Nur eine. Mache sie klein genug, dass du sie an deinem schlechtesten Tag noch schaffen würdest.

Dann mach sie morgen wieder. Und übermorgen.

Dein Garten wird es dir zeigen.

Quellen

  1. Lally, P., van Jaarsveld, C. H. M., Potts, H. W. W., & Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology, 40(6), 998–1009. DOI: 10.1002/ejsp.674
  2. Singh, B., Olds, T., & Maher, C. (2024). Time to Form a Habit: A Systematic Review and Meta-Analysis of Health Behaviour Habit Formation and Its Determinants. Healthcare, 12(23), 2488. PMC11641623
  3. Fogg, B. J. (2020). Tiny Habits: The Small Changes That Change Everything. Houghton Mifflin Harcourt. tinyhabits.com
  4. Keller, J., Kwasnicka, D., Klaiber, P., Sichert, L., Lally, P., & Fleig, L. (2021). Habit formation following routine-based versus time-based cue planning. British Journal of Health Psychology, 26(3), 807–824.
  5. Duolingo (2024). Improving the streak: Forming habits one lesson at a time. blog.duolingo.com